Die Faktoren

18 Faktoren.
Einer erklärt.

Jeder Faktor, der in den FangScore einfließt — mit Evidenzklasse, artspezifischer Gewichtung und der Frage: warum eigentlich?

A Wissenschaftlich belegt
B Plausibel belegt
C Heuristisch
✗ Nicht verwendet

Hydrologie(8 Faktoren)

A
F01Pegelstand & Tendenz

Steigende Pegel treiben Kleinfische in Uferbereiche – Räuber folgen. Fallende Pegel: Fische ziehen in Kanten und Tiefrinnen. Der 6h-Δ-Wert ist entscheidender als der Absolutwert. Datenquelle: PegelOnline WSV.

A
F02Abflussrate (m³/s)

Hohe Abflussrate erzeugt Kehrwasser hinter Buhnen – klassischer Zander-Hotspot. Sehr hohe Rate (Hochwasser) zwingt Fische in Deckung. Relativ zum stationsabhängigen Mittelwert MQ berechnet.

A
F03Wassertemperatur

Wichtigster Einzelfaktor. Höchste Bewertung bei etwa 15 °C (Hecht), 18 °C (Zander) und 20 °C (Barsch) — Fangbarkeit, nicht Wachstumsoptimum. Asymmetrische Gaußkurve: Kältetoleranz höher als Hitzestress-Toleranz. Hokanson 1977, Frisk et al. 2012.

B
F04Delta-T Luft/Wasser

Großes positives ΔT (Luft >> Wasser) hemmt Durchmischung und Sauerstoffeintrag. Kleines ΔT = optimale Konvektion. Berechnung aus Open-Meteo Lufttemperatur und Pegelonline WT.

A
F05Tide-Phase

Kenterpunkt (Hochwasser/Niedrigwasser-Umkehr) = Strömungsstille → Sediment setzt sich ab → Raubfisch-Aktivität steigt. Nur aktiv wenn Tidegewässer erkannt (Weser, Elbe, Ems, Eider und Nebenflüsse). Datenquelle: PegelOnline WSV.

B
F06O₂-Gehalt (modelliert)

Kein direkter Messwert verfügbar – O₂ wird aus Wassertemperatur, Windstärke und Abfluss modelliert. Unter 3 mg/l: Score-Deckel aktiv (max. 20). Hard-Cutoff biologisch belegt.

B
F07Niederschlag 48h

Starker Regen der vergangenen 48h erhöht Trübung mit Zeitverzögerung und beeinflusst Pegelstand. Kurzfristig positiv durch Nahrungspartikel, längerfristig negativ durch Trübungsanstieg.

A
F08Thermokline

Im Sommer bildet sich in Seen eine Temperatursprungschicht. Raubfische halten sich knapp oberhalb auf, wo O₂ noch ausreichend ist. Faktor nur aktiv bei Gewässertyp SEE in Sommermonaten.

Licht & Optik(3 Faktoren)

A
F09Licht-Extinktion am Grund (Lux)

Lichtstärke am Gewässerboden aus Sonnenwinkel, Bewölkung und Secchi-Tiefe berechnet. Zander-Optimum 0–10 Lux (Tapetum-Vorteil). Hecht und Barsch tolerieren mehr Licht. Didrikas & Hansson 2009.

A
F10Trübungsindex / Secchi-Tiefe

Secchi-Tiefe als Proxy für Lichtdurchdringung. Zander-Optimum 0,3–1,0 m ("Milchkaffeebraun"). Barsch bevorzugt klares Wasser (>2 m). Gewässertypabhängige Baseline-Berechnung – Tideflüsse deutlich trüber als Seen.

A
F11Sonnenwinkel & Tageszeit

Dämmerungsaktivität ist artenspezifisch dokumentiert. Hecht und Barsch aktiv auch tagsüber. Zander ausgeprägt dämmerungsaktiv. Goldene Stunde vor Sonnenuntergang konsistent der stärkste Auslöser. Didrikas & Hansson 2009.

Meteorologie(2 Faktoren)

B
F15Windvektor & Exposition

Auflandiger Wind reichert Nahrungspartikel an Lee-Ufern an. Starker Wind vermindert Jagderfolg durch Wellengang. Spotspezifische Exposition aus OSM-Geometrie berechnet.

B
F16Frostnächte-Zähler

Zählt Frostnächte: die ersten setzen Beutefische unter Kältestress (beim Hecht ein Plus), viele verlangsamen sie mit Zeitverzögerung. Anglerwissen, biologisch plausibel, keine kontrollierte Studie.

Struktur(2 Faktoren)

B
F18Bathymetrie (Tiefe)

An vermessenen Seen die Tiefe im Umkreis von 30 m um den Angelplatz, je Art und Jahreszeit bewertet (Hecht, Zander und Barsch stehen nicht das ganze Jahr gleich tief); sonst die grobe Seetiefe aus OpenStreetMap. Je Jahreszeit erklärt in Wissen.

B
F19Substrat & Gewässerstruktur

Buhnen, Wehre, Steinpackungen, Stege, Totholz – aus OSM-Tags extrahiert. Aktiviert Kehrwasser-Bonus in F02 und artspezifische Strukturgewichtung. Zander: Kolk und Strömungsschatten. Hecht: Vegetation und Deckung.

Biologie(2 Faktoren)

A
F20Laichzeit-Trigger

Temperaturbasierte Laicherkennung. Hecht laicht bei 6–10°C, Zander 10–15°C, Barsch 10–14°C. Während aktiver Laichzeit sinkt die Bewertung artspezifisch, ohne pauschale Obergrenze — ein früherer Score-Deckel von 40 wurde entfernt, weil er belegte Gegeneffekte wie die nächtliche Zander-Aktivität unterdrückte. Argillier 2012, Casselman & Lewis 1996.

B
F21Beutefisch-Aktivitätsmodell

Modelliert aus Wassertemperatur und Lichtverhältnissen. Wenn Kleinfische aktiv sind, sind Raubfische aktiv. Zusammen mit F03 und F20 in Temperatur-Gruppe (Anti-Double-Counting).

Anthropogen(1 Faktor)

C
F22Schiffsverkehr

Schiffsverkehr auf Bundeswasserstraßen erzeugt Wellenschlag und Trübungsimpulse – kurzfristig negativ, mittelfristig aktivierend durch aufgewirbeltes Substrat. Nur aktiv an Bundeswasserstraßen; abgeleitet aus OpenStreetMap-Daten, kein Live-Schiffsverkehr (AIS).

Nicht verwendet(3 Faktoren)

✗
✗Luftdruck-Trend (früher F13, F14)

Bis September 2026 im Score. Zwei Auswertungen echter Fangstatistiken zeigten keinen Effekt, und ohne den Luftdruck traf der Score die Fänge besser. Deshalb entfernt — samt der Kappung bei starkem Druckabfall.

✗
✗Mondphase

In keiner kontrollierten Studie mit Süßwasser-Raubfischen ein signifikanter Einfluss nachgewiesen. Bewusst nicht implementiert.

✗
✗Bathymetrie (DGM-W)

Detaillierte digitale Geländemodelle (DGM-W) wären ideal für Tiefenprofile – existieren aber als freie API für deutsche Gewässer nicht. Stattdessen nutzt F18 die amtlichen Seenvermessungen, wo es sie gibt, sonst die grobe Tiefe aus OSM.